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Die Kantorei Wetzlar gehört zu den traditionsreichen Chören der Stadt. Sie wurde 1953 von Karl Wolfgang Schäfer gegründet und steht seit 2011 unter der künstlerischen Leitung des Kantors Dietrich Bräutigam.
Die Kantorei Wetzlar mit ihrem Kantor Joachim Eichhorn an Weihnachten 2006 im Dom. Zu einer guten Kirchenmusik einer Gemeinde gehört auch die Chormusik. Die Kantorei Wetzlar nimmt diese Aufgabe wahr für die Evangelische Dom-Kirchengemeinde. Sie sieht ihre Hauptaufgabe darin, die Gottesdienste und kirchlichen Feiern ihrer Gemeinde am Dom und den dazugehörigen Gemeindebezirken mit geistlicher Chormusik zu versorgen. Darüber hinaus pflegt die Kantorei auch in Konzerten die A-cappella-Musik des 17. bis 20. Jahrhunderts, sowie Oratorien-Aufführungen, die über die Gemeinde hinaus zum festen Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt Wetzlar und der Region an Lahn und Dill gehören. Mit den Partnerchören in Ilmenau, Erfurt, Avignon und Witebsk (Weißrußland) wurden gemeinsame Projekte durchgeführt. Die seit 1992 bestehende Partnerschaft mit dem Jugendchor aus Witebsk/Belarus versteht die Kantorei als wichtigen Brückenschlag nach Osteuropa und als Beitrag zu Frieden und Versöhnung mit Weißrußland. Im Dezember 2002 berichtete Joachim Eichhorn in dem Stadtmagazin Wetzlarer Hefte über diese "nicht unkomplizierte, aber gefestigte Freundschaft": "Nur wenige von uns wussten vor 10 Jahren, wo die Stadt Witebsk liegt und dass Weißrussland nicht Russland ist. Einige kannten Witebsk als Geburtsstadt Marc Chagalls, andere hatten die grausige Erinnerung aus dem 2. Weltkrieg: ein Flammenmeer am Horizont - das dem Erdboden gleichgemachte Witebsk, ein Teil der "verbrannten Erde". Durch die Öffnung der Grenzen nach Osten war es nun möglich geworden, Kontakte auch nach Belarus zu knüpfen. Es war für uns ein Wagnis, gemeinsame Aufführungen des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach mit einem weißrussischen Chor sowohl in Wetzlar als auch in Witebsk vorzubereiten und durchzuführen. Aber gerade diese gemeinsamen Aufführungen vor 10 Jahren waren die Geburtsstunde der partnerschaftlich-freundschaftlichen Kontakte zu dem Jugendchor in Witebsk und seinem Chorleiter Vitalij Rauso. Ziel dieser Chorbegegnung war und ist, einen Beitrag zu leisten zur Aussöhnung und Verständigung zwischen unseren beiden Völkern mit einer gemeinsamen leidvollen Geschichte. Trotz organisatorischer und finanzieller Schwierigkeiten haben wir diesen Kontakt gehalten, haben in weiteren Projekten in unseren beiden Muttersprachen (Russisch und Deutsch) geistliche Musik sowohl in Deutschland als auch in Belarus aufgeführt. Freundschaften sind entstanden, und wie bei allen Beziehungen hat es natürlich auch Enttäuschungen gegeben. Aber wir alle haben erfahren, wie bereichernd es ist, gemeinsam an etwas zu arbeiten, voneinander zu lernen und die Brücke nach Osteuropa beharrlich hin und her zu begehen. In den Beziehungen zwischen Weißrussland und Deutschland sind diese gemeinsamen Projekte einmalig. Das Weihnachtsoratorium vor 10 Jahren hat in Witebsk ein unvorstellbares Echo hervorgerufen. Es war nun der dringliche Wunsch der Witebsker, zum 10-jährigen Bestehen unserer Kontakte dieses Oratorium wieder aufzuführen. So werden wir gemeinsam die Weihnachtsbotschaft in der Vertonung von Johann Sebastian Bach in deutscher Sprache singen: am 8.12.2002 im Wetzlarer Dom und dann zum russisch-orthodoxen Weihnachtsfest am 7.1.2003 in Witebsk und tags darauf in der Sophienkathedrale in Polotsk (Belarus). Die Wetzlarer Aufführung steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Wolfram Dette. Eine Woche, vom 3. bis 10.12.2002, wird der Jugendchor unser Gast in Wetzlar sein. Er wird auch in der Vesper am 6.12. in der Unteren Stadtkirche singen. Für uns als Domgemeinde ist es wichtig, unseren weißrussischen Gästen ein Stück Heimat zu sein, sie spüren zu lassen, dass sie hier willkommen sind - so wie wir uns bei ihnen in Witebsk zu Hause fühlen durften." Durch die besondere Situation des Wetzlarer Domes als Simultaneum finden auch gemeinsame Aufführungen mit dem Chor der Katholischen Dom-Kirchengemeinde statt. Durch die freundschaftliche Beziehung zum Jungen Sinfonie-Orchester Wetzlar (JSOW) hat sich seit Jahren ein Stamm junger MusikerInnen gebildet, die als Klangkörper vornehmlich fürs Kantatenmusizieren im Evangelischen Dom-Gottesdienst zur Verfügung stehen. Es waren vor allem die regelmäßigen Bach-Kantatengottesdienste am 2. Weihnachtstag, die diesen Klangkörper zu einer homogenen Einheit verschmelzen ließen. Die KonzertmeisterInnen wechseln sich ab, auch tauschen sich häufig Violine I und Violine II aus. Durch die Beschäftigung mit dem Kantatenschaffen Johann Sebastian Bachs lag der Name "Bach-Collegium Wetzlar" für das Ensemble nahe. Je nach Bedarf werden Holz-, Blechbläser und Pauken aus dem heimischen und mittelhessischen Raum hinzugezogen. Chöre leben von Sängerinnen und Sängern, die Freude am Singen und guter Gemeinschaft haben. Zur Teilnahme an den wöchentlichen Proben der Kantorei sind interessierte Sängerinnen und Sänger herzlich willkommen. Die Proben finden - außer in den Schulferien und an Feiertagen - jeden Donnerstag von 19.45 Uhr bis 21.45 Uhr im Gemeindehaus der Evangelischen Domkirchengemeinde statt. (Kontakt: Dietrich Bräutigam, Hirschgraben 13, 35578 Wetzlar, Telefon: 06441-2102670) Kantor Dietrich Bräutigam
Dietrich Bräutigam Hirschgraben 13 35578 Wetzlar Tel.: 06441-2102670
Ehemalige Kantoren am Dom zu Wetzlar
Die Wetzlarer Domorgel Am 8. März 1945, in den letzten Kriegstagen, wurde durch einen Fliegerangriff auf Wetzlar auch der Dom getroffen. Bomben zerstörten den Chorraum und damit den Lettner, auf dem die Orgel der Katholischen Gemeinde stand. Durch die Detonation wurde auch die Orgel der Evangelischen Gemeinde auf der Westempore völlig zerstört. Damit hatten beide Gemeinden ihre wertvollen Intrumente verloren. In den von Entbehrungen gezeichneten Jahren nach dem 2. Weltkrieg war es vor allem die Industriellenfamilie Leitz, die sich in vorbildlicher Weise um den Aufbau des kulturellen Lebens in der Stadt einsetzte. Es wurde die Kulturgemeinschaft gegründet, die Singakadamie ins Leben gerufen, Konzerte wurden veranstaltet. Das Haus Friedwart entwickelte sich zur Keimzelle der wieder aufblühenden Kultur in Wetzlar. Mit dem Wiederaufbau des Domes wurde auch die Frage nach einer neuen Orgel laut. Die Familie Leitz ergriff die Initiative und stiftete beiden Gemeinden am Dom eine gemeinsame große Orgel. Ihr Erbauer Rudolf von Beckerath aus Hamburg gehörte zu den damals führenden und für seine handwerkliche Qualität bekannten Orgelbauern. Dr. Ernst Leitz II, der Vater der Wetzlarer Ehrenbürgerin Dr. Elise Kühn-Leitz (1903-1985), erteilte der Hamburger Firma 1953 den Auftrag. Darin war festgehalten, dass für die Ausführung nur Material in bester Qualität in Frage kommt. Der berühmte Bach-Interpret und Organist Helmut Walcha aus Frankfurt entwarf mit dem Orgelbauer die Disposition nach norddeutsch barockem Muster. Es entstand ein prächtiges Instrument: 49 klingende Stimmen verteilt auf 3 Manuale und Pedal, mechanische Spieltraktur, pneumatisches Regierwerk, 4 pneumatische Setzerkombinantionen - in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit. Walcha überwachte die Intonation des Instrumentes, das schließlich Anfang 1955 im Dom aufgestellt werden konnte, nachdem die Wiederaufbauarbeiten des Chorraums abgeschlossen waren. Es war geradezu eine Sensation, ein so großes Instrument in die ländliche Region zu bekommen; für viele Orgelbegeisterte wurde die Domorgel in Wetzlar zum "Wallfahrtsort". Helmut Walcha weihte die Domorgel mit einem großen Bachkonzert am 14. Mai 1955 ein. Die Wetzlarer Neue Zeitung (WNZ) schrieb von 1.500 musikbegeisterten Hörern! Auch der Name Albert Schweitzer ist mit der Orgel verbunden. Schweitzer spielte hier Konzerte und rühmte das Instrument. Seit 1955 erklingt die Domorgel - unterbrochen nur durch die Innenrenovierung des Domes 1985/86 und der damit verbundenen Generalreinigung - regelmäßig in den Gottesdiensten, kirchlichen Feiern und Konzerten zum Lobe Gottes und zur Freude vieler Menschen. Die Domorgel ist ein Stück Wetzlarer Stadtgeschichte und Geschichte der beiden Gemeinden am Dom. Sie ist ein in allen Teilen repräsentatives Dokument der Orgelbauweise Anfang der 50-er Jahre. Auch nach dem Urteil von Fachleuten ist ihre technische und klangliche Qualität ungebrochen. Am 8. Juli 2006 fand ein Gedenkkonzert zum 50. Todestages von Ernst Leitz II, dem Stifter der Domorgel, statt. Das historische Programm (Johann Sebastian Bach: Orgelmesse, Dritter Theil der Clavierübung - 1739) vom 15. Juni 1958, das Helmut Walcha spielte, wurde nunmehr von der Kantorei Wetzlar und Joachim Eichhorn an der Domorgel aufgeführt. Eine CD mit Orgelmusik aus dem Wetzlarer Dom, eingespielt von dem ehemaligen katholischen Domorganisten Wolfgang Weiß und Joachim Eichhorn ist über den Förderkreis der Kantorei oder direkt bei KMD Joachim Eichhorn zum Preis von 12,50 Euro erhältlich. Klosterkirche Altenberg Im Sommer finden die von Joachim Eichhorn geleiteten Sommerkonzerte in der Klosterkirche Altenberg statt. Die diesjährigen Veranstaltungen sind auch in dem Programm der Kantorei aufgeführt.
Die Klosterkirche auf dem landschaftlich äußerst reizvoll gelegenen Altenberg bei Wetzlar wurde in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts im Stil reifer Frühgotik gebaut. Sie gehört zu einem ehemaligen Praemonstratenserinnen-Kloster, das seine Blüte unter der Äbtissin Gertrud (1248 bis 1297), der Tochter der Heiligen Elisabeth hatte.
Heute dient die Klosteranlage als Mutterhaus für die Königsberger Diakonissen aus Ostpreußen, die im Wetzlarer Raum eine neue Heimstatt gefunden haben. Die Kirche besitzt eine wertvolle Barockorgel, die zu den wenigen Instrumenten aus dem 18. Jahrhundert gehört, die sich bis in unsere Zeit ohne nennenswerte Veränderungen vollständig erhalten haben. 1757 erbaut durch Wilhelm Schöler aus Bad Ems, unterlag sie nicht den Stilwandlungen der Jahrhunderte - sie blieb vergessen und wurde erst in unserer Zeit wieder entdeckt und in ihrer Einmaligkeit erkannt. Die Restaurierung im Jahr 1976 beschränkte sich lediglich auf die Reparatur schadhafter Teile. Unter strenger fachlicher Betreuung wurden diese Arbeiten ganz im Sinne der handwerklichen Prinzipien früherer Zeiten durchgeführt, ebenso die Reinigung im Jahr 1987. Die Klosterkirche Altenberg ist in besonderer Weise ein Ort der Sammlung und Kontemplation, in deren wunderschönem Raum vor allem alte Musik, gespielt auf historischen Instrumenten, eindrücklich zu neuem Leben erweckt wird. |
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